Frühe Hilfen und Kindertagespflege: Spannender Austausch beim Fachtag

Korbach(pm). Mentalisieren meint die Fähigkeit, Gedanken, Gefühle und Absichten bei sich und anderen zu verstehen, um so eine positive professionelle Beziehung zu Eltern und Familien gestalten zu können. „Besonders in der Kindertagespflege und den Frühen Hilfen bietet das viele Chancen, um Familien bedarfsgerecht und individuell zu unterstützen“, betont der Leiter des Fachdienstes Jugend Andreas Strake im Rahmen eines Fachtages, zu dem der Landkreis alle Fachkräfte aus diesem Bereich eingeladen hatte.
Stärkung der Beziehung zwischen Fachkräften und Familien
Kindertagespflegepersonen, Gesundheitsfachkräfte und Fachkräfte aus dem Netzwerk der Frühen Hilfen sind der Einladung gefolgt – und konnten in Workshops aktiv den Ansatz des Mentalisierens ausprobieren. Zuvor referierten Dr. Anna Georg und Dr. Sophie Hauschild vom Institut für Psychosoziale Prävention des Universitätsklinikums Heidelberg zum Thema und stellten zunächst das Konzept und die zugrundeliegende Haltung vor. „Das übergeordnete Ziel der Anwendung von Mentalisierungs-Skills ist die Stärkung der Beziehung zwischen Fachkraft und Familie, insbesondere in herausfordernden Situationen. Wie das gelingt? Man strebt an, die eigenen inneren Gründe und die der anderen besser zu verstehen,“ erläutert Dr. Anna Georg. Auf Theorie folgte Praxis: Nach dem Vortrag konnten alle Teilnehmenden erste aktive Übungen zum Konzept und der Haltung des Mentalisierens umsetzen. „Üben und Ausprobieren ist
hier ganz wichtig. Je öfter man die Praxis anwendet, umso besser kann es funktionieren“, ergänzt Dr. Sophie Hauschild. Weiterhin ging es konkret um Brüche in professionellen Beziehungen und wie diese durch Mentalisieren verbessert werden können. Hier übernahmen Monika Padberg-Koert und Bettina Götz vom Fachdienst Jugend des Landkreises die Live-Darstellung eines Fallbeispiels, an dem aktiv geübt werden konnte.

Die Botschaft dabei: Es gibt keine Kommunikation ohne Brüche, diese sind absolut normal. Es kommt lediglich darauf an, wie damit umgegangen wird. „Die besondere Attraktivität des
Konzepts des Mentalisierens ergibt sich für die Fachkräfte daraus, dass hier grundlegende Erlebens- und Verhaltensmuster des gemeinsamen Miteinanders „neu“ verstanden und reflektiert werden können“, resümieren Bettina Götz und Monika Padberg-Koert. „Es ergibt sich somit ein äußerst bedeutsamer sozialer Bezug für die Arbeit der Fachkräfte in der Kindertagespflege und den Frühen Hilfen.“ Das sei auch aus der aktiven Beteiligung und regen Rückfragen deutlich geworden. Der Landkreis lädt regelmäßig zu Fachtagen dieser Art ein, um den Austausch mit
den Fachkräften und untereinander zu fördern. Die gemeinsame Veranstaltung der Kindertagespflege und den Frühen Hilfen entstand zudem aus dem Anlass des zehnjährigen Jubiläums der Frühen Hilfen und des 50-jährigen Jubiläums der Kindertagespflege.

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